„Was passiert, wenn nichts passiert? oder warten auf ...“

ein häuschen das wartet – wartet, daß jemand wartet ...
... begann in der nacht seine farben zu ändern.
niemand bemerkte es, denn niemand wartete ...
... es wurde schwarz und versank im dunkel der nacht.

(Ort des Geschehens: Medingen, Hauptstraße 2000 | 2001)

15 Polaroids s/w, 18 Dias color, 4x5“
(in zwei Leuchtkästen 51x24x44 cm mit Bewegungsmelder)
Projekt Komplizierte Auslöser III, Prof. Elfi Fröhlich


Was passiert, wenn nichts passiert? – z.B. an einem kleinen Ort irgendwo in Deutschland, in einem War-tehäuschen, welches frisch weiß gestrichen vor einer Fabriklandschaft, skuril und ewig leer wirkt. Mir schien, das Wartehäuschen wartet darauf, daß etwas passiert und so habe ich mich dazu gesellt, habe es beobachtet und gewartet, habe auf Wartende gewartet.

Eine Serie von Sofortbildern entstand, die verbindlich, aber auch schlicht und spontan das Gewesene zeigen, schwarz auf weiß.

Innerhalb von 10 Tagen begann sich das Innere des Hauses farblich zu verändern. Es verfärbte sich in den schönsten Farben, am Abend erglühte es in dieser.

Am Anfang und Ende der Serie steht das Weiß. Der Farbverlauf ging über weißgelb, gelb, grün, blau, rot und schwarz. Ich dokumentierte die Farbveränderungen auf Großbild-Dia color und aller Zeit die diese braucht, frontal, von immer gleichem Standpunkt.

Für mich hätte nicht jedes beliebige Objekt verändert werden können. Das Wartehaus als Symbol einer Zeitspanne, welche sich in verschiedenen Variationen wiederholt. Ebenso der erhebliche Aufwand des Streichens, Anfang und Ende verbindend.

Den Weg der Vorbeieilenden möchte ich unterbrechen, Wartenden Bilder zur Verfügung stellen.

Die Dauer der Präsentation im Wartehaus ist unbegrenzt. Es ist nicht mehr irgendwo, sondern genau dieser Ort speziell. Die Farbschichten geben, entgegen einer Computersimulation dem Haus ein Eigenleben: Das trügerische reine Weiß wird nach einiger Zeit Vergangenes preisgeben. Nicht nur „Patina“ wird den Ort verändern, sondern die gewesene Farbigkeit der Aktion taucht stellen-weise auf und blättert ab.

Beide Serien werden gemeinsam als Prints präsentiert, stehen jedoch für sich, da sie parallel angeordnet verschieden dokumentarisch eine wirkliche und unwirkliche Realität zeigen. Nur an einer Stelle fließt die Alltäglichkeit in die Farbigkeit ein, unterbricht die Reihe: ein Mann, angeschnitten durch die linke Kante und das Schild. Er wartete, wartete jedoch darauf, daß er die Straße überqueren kann, kam näher, grüßte und ging vorbei. In diesem Fall wurde das Polaroid zum kommunikativen Element.

Fotografien sind für mich nicht nur die Spiegelung des Abgebildeten, sondern auch die Position des Abbildenden selbst. In meiner ersten Serie dokumentierte ich in einfacher Weise das Geschehen, ohne jegliche Stellungnahme. Die Personen, die sich über das Bild bewegen scheinen zeitlos zu sein, das Haus steht in großem Kontrast zum Umfeld, isoliert sich durch das Weiß selbst. Es ist nicht wichtig, daß die Kameraposition absolut konstant ist, da es mir vorrangig um die Situation und die Funktion des Hauses ging.

Dagegen war mir bei der zweiten Serie der gleiche Ausschnitt und die Schärfe für den Schein des manipuliert Surrealen sehr wichtig. Erst im zweiten Moment wird man die Wetterveränderungen wahrnehmen, die Farbanstriche detailliert erkennen, die Spiegelungen in der Straße, die zeigen, daß es sich doch um Realität handelt, auch wenn sie unglaubwürdig und für eine Veränderung

dieser Art der Computer naheliegend erscheint. Ich kann nicht sagen, welche Weise aufwändiger gewesen wäre, sicher jedoch ist, daß meine Variante wohl die kommunikativere von beiden ist.


Ausstellungen|Wettbewerbe|Veröffentlichungen

„sunny side up“, Juni 2001, Ausstellungsbeteiligung in Genf

Rundgang 2001, Dienstagsbar, Bauhaus-Universität Weimar

Kodak-Nachwuchsförderpreis 2001/1, Auszeichnung und Unterstützung der Präsentation im Wartehaus am 25.August 2001

Kunstraum Medingen, Aug. / Sept. 2001 innerhalb des Sommerateliers

Marianne-Brandt-Wettbewerb, Okt. 2001, Ausstellungsbeteiligung in der Galerie Rosenkranz

Doppelseite in der Photonews, Nov. 2001

Kunstpreis Digitale Bildwelten, Kreissparkasse Recklinghausen, Ausstellungsbeteiligung im Mai 2002 (2 Doppelseiten im Katalog)

Präsentation bei „Voies off“ - Recontres Arles

„ausgezeichnet“ - Photokina Köln 2002, Ausstellungsbeteiligung im September 2002 (Katalog)


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