| fotografisches herbarium (arbeitstitel), Dresden 2002
Fotogramme auf Glas und Kontakte, s/w Aquarium und Glasständer (in unterschiedlichen Größen) Projekt Stille, Prof. Manfred Paul, Gaststudium an FHTW Berlin Das fotografische Herbarium (Arbeitstitel) ist eine Sammlung von Laubblättern, die nicht zum Ziel hat, die schönsten Exemplare zu konservieren, sondern die den jährlichen Zerfall zeigt. Der Betrachter wird mit der Individualität des einzelnen Blattes konfrontiert, die durch den Verfall verstärkt wird - die Assoziation zu Krankheit und Tod als natürlicher Prozeß. Die Fotografie als Vergleich zur Natur (Fotografie / Fotosynthese), die durch Licht entsteht und sich durch die Zeit verändert. Die Isolation und s/w-Abstraktion der Abbildung läßt dennoch die Merkmale erkennen, die Zuordnung bleibt bestehen. Das Blatt bildet sich direkt über die 1:1-Darstellung des Fotogrammes in Form einer Zustandsbeschreibung ab. Die Reihenfolge ist variabel und die Sammlung erweiterbar. Vorerst stehen für mich die einheimischen Laubbäume im Vordergrund. Innerhalb des Quadrates werden die Laubblätter entsprechend der aufgetragenen Emulsion ausgerichtet - sie stehen nicht nur im Dialog zu den Fehlstellen dieser, sondern vereinigen sich in gleicher Ebene, stehen nicht nur physisch, sondern auch konzeptuell in Zusammenhang: das Individuelle der Natur und das Individuelle, Unikate eines Fotogrammes, verstärkt durch die Unterschiedlichkeit der Beschichtung. Das Blatt steht in Verbindung mit dem Hintergrund ähnlich einem Portrait. Der abgebildete Verfall setzt sich in der Präsentation der Fotogramme als Rauminstallation fort: Die Fotogramme werden sich in einem Aquarium vom Glasträger ablösen und zerfallen, welche weniger agressiv, als nachvollziehbarer Prozeß gezeigt wird, fortschreitend und sich dennoch keinem Ziel nähernd, da das in Lösung gehen immer der Schritt nach dem Abbilden bleiben wird. Die Kontaktkopien hängen lose an der Wand, um die Fotografie als Medium zu verdeutlichen. Der Umfang der Reihe an Laubblättern einer Art, hängt von der Länge der Präsentationsdauer ab. Dieser Form steht eine Variante der aggressiven Zerstörung gegenüber: zerschlagene Glasscheiben am Boden liegend, 1:1 in Menge und Größe, wird dem Individuellen das manuell-maschinelle gegenüber gestellt, d.h. trotz des aufwändigen Prozesses verliert das einzelne an Bedeutung und geht als Unikat in der Masse unter. Die Zerstörung des Zwischenbildes verweist zudem auf die dazugehörige Kontaktkopie, in Passepartout und Rahmen hinter Glas geschützt, welche eine Wert-steigerung erfährt. Das zerstörte Abbild konserviert umso mehr die Kopie, obwohl sie bereits Kopie der Kopie ist. Die Reproduzierbarkeit der Fotografie ist durch den Verlust aufgehoben und das Individuelle, Unikate, die Parallele zur Natur wird deutlicher. Das Material Glas ist in allen Stufen des Prozesses wichtig: als transparenter Träger transportiert er immer aufs neue Bilder, hinterläßt keine Spuren des vorangegangenen Prozesses und findet ein Ende in seiner Zerbrechlichkeit. Ebenso hat Glas eine museal wichtige Bedeutung, als Schutz vor Staub und Licht - eine weitere Parallele zur Fotografie als Sammlung. |
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